Ein anderes Arbeiten - Die Zusammenarbeit mit einem Kunstschmied


Einführung

In den letzten Jahrzehnten erlebte Schmiedearbeit in der Architektur eine Renaissance und wachsende Anerkennung für einen weiten Bereich von Anwendungen, von nützlichen und dekorativen Stücken bis hin zu Kunst im öffentlichen Raum.
Neben den traditionellen sind ausdrucksvolle neue , zeitgenössische, Stile aufgetaucht, die den Versuch unternehmen auf die Anforderungen moderner Architektur zu reagieren.
Sie haben in einer Vielzahl verschiedener Dinge; Toren, Gittern, Treppen- und Brüstungsgeländern, Skulpturen, Beleuchtungskörpern und Möbeln Ausdruck gefunden.

Viele Architekten haben nur wenig Erfahrung mit der Verwendung von geschmiedetem Metall und nur relativ wenig zeitgenössische Stücke sind einer größeren Öffentlichkeit bekannt.
Daraus resultierend sind Entwürfe und Leistungsbeschreibungen in der Regel so locker gefaßt, daß sie eine minderwertige Interpretation und die Ausführung minderwertiger Arbeit erlauben.
Anders gesehen werden Fähigkeiten und Möglichkeiten, die der
Kunstschmied in Bezug auf Entwurf, Details, Herstellung, Restaurierung-und Befestigung von Metallarbeiten hat, nicht voll genutzt.

Dieser Text erklärt die Rolle des Kunstschmiedes und beschäftigt sich mit dem Entwurf und der genauen Beschreibung von Schmiedearbeiten.


Die Rolle des Kunstschmiedes 
Es ist wichtig zu verstehen, daß der Kunstschmied nicht nur ein qualifizierter Techniker ist, befähigt einer vorgegebenen Zeichnung zu folgen und das beschriebene Stück zu produzieren, er ist auch in der Lage kreativ zu arbeiten und besondere eigene Qualitäten, Details und Entwürfe anzubieten.
Tatsächlich gibt die Arbeitsweise eines Schmiedes Metallkonstruktionen einen Charakter und eine Qualität, von der schloßermäßige Produktionsmethoden recht weit entfernt sind.
Eine Schloßerarbeit besteht im Wesentlichen aus Zuschnitt, Kaltverformen und Verbinden von Blechen, sowie massiven und hohlen Profilen, um die verlangte Struktur zu produzieren.
Ihr Erscheinungsbild wird von der sorgfältigen Auswahl der Standard- Lagerquerschnitte bestimmt, die in der Regel durch Schweißen oder Schrauben verbunden werden.

Zusätzlich zu diesen Techniken ist der Kunstschmied in der Lage eine Vielzahl von Warmverformungen durchzuführen, die den Querschnitt, die Oberfläche und das Erscheinungsbild des normalen
Halbzeugs, sowie die Art der Verbindungen radikal verändern  können.
Die ganz eigene Kunstfertigkeit des Schmiedes liegt in seinem Verständnis für die Bearbeitung von Metall mittels Maschinen- oder Handhammer.
Die plastische Verformung des warmen Metalls läßt unendlich viele Formen und einen Reichtum an Oberflächen entstehen, die aus dem Formungsprozeß resultieren und somit eine subtile Individualität ausdrücken, die der Schmied einbringt.
Keine zwei Schmiede werden auf die absolut gleiche Weise arbeiten und ein individueller " Fingerabdruck " wird in der Arbeit jedes einzelnen Handwerkers sichtbar bleiben.
Zum Beispiel erlaubt das Schmieden die allmähliche Verjüngung eines Stabes, abrupte Übergänge von rund auf vierkantig oder auch ein örtlich begrenztes flachschmieden zwecks Herstellung einer Verbindung.
Die Querschnittsveränderung ist ein deutliches Merkmal beim Entwurf einer Schmiedearbeit, das von einer alten Herstellungsökonomie herrührt, die wenig wegwarf und statt dessen das Material des Stabes einfach neu arrangierte.
Eine große Anzahl ganz gewöhnlicher Details hat ähnlich viele Alternativen.
Ein Beispiel soll das illustrieren.
Eine einfache rechtwinklige Ecke kann mittels vieler Methoden hergestellt werden, die alle unterschiedliches Aussehen und verschiedene Qualität haben.
Die scharf rechtwinklige Ecke - leicht zu zeichnen - verursacht viel teure Schmiedearbeit, während die warm gebogene Ecke mit kleinem Radius - schwieriger zu zeichnen - einfacher und billiger herzustellen ist.

Es ist deshalb entscheidend, daß im Leistungsverzeichnis klar wird, welche Möglichkeit verlangt ist.
Dieser Text soll kein Katalog diverser Details sein und tatsächlich liegt einiges vom kreativen Beitrag des Handwerkers im erfinderischen Herangehen an solche Konstruktionsprobleme.
Den Handwerker schon im Entwurfsstadium hinzuzuziehen kann zu einer sehr interessanten und nützlichen Lösung der anstehenden Aufgaben führen.
Diese Art der Zusammenarbeit mit Handwerkern kann sehr gewinnbringend sein. Indem der Architekt eine Interpretation des Originalentwurfes ermutigt, kann er von der Kreativität und Erfahrung des Handwerkers profitieren und gleichzeitig sogar noch Kosten sparen.
Es könnte unter Umständen allerdings noch besser sein, den Kunstschmied das benötigte Stück direkt selbst entwerfen und anfertigen zu lassen.

Beauftragen eines Kunstschmiedes
Ausschreibungen mögen zwar zum billigsten Preis führen, aber nicht notwendigerweise zur besten Lösung des Problems, oder wie oben ausgeführt, nicht zu hinsichtlich Ausführung und Qualität vergleichbaren Preisen.
Einen Kunstschmied auszuwählen ist nicht schwer. Er ist gewöhnt seine Arbeit zu zeigen und wird auf Verlangen Bilder auf Papier oder per email zuschicken.
Der ausgewählte Schmied kann entweder beauftragt werden direkt einen Entwurf nach Beschreibung anzufertigen oder diesen zusammen mit dem Architekten oder Bauherrn erarbeiten.

Entwerfen kostet Zeit und die Zeit des Schmiedes kostet genauso Geld wie die jedes anderen.
Es ist zwar noch nicht  üblich den Entwurf zu bezahlen, in der Regel einen gewissen Prozentsatz der Auftragssumme, der bei Auftragserteilung verrechnet wird, aber Sie können sich sicher sein, daß Sie die besondere Aufmerksamkeit Ihres Handwerkers erhalten werden, wenn Sie von sich aus die Bereitschaft zur Bezahlung des Entwurfes erkennen laßen.

Da jedes Stück eine Einzelanfertigung ist,gibt es keinen Standardpreis.
Ein Tor von 2 Metern Breite kann EUR 1.500 oder EUR 15.000 kosten und in beiden Fällen billig oder teuer sein. Es ist ganz einfach ein anderes Tor.
Der Schmied braucht nicht unbedingt eine ausführliche Beschreibung, aber er braucht Klarheit, was die Anforderungen an die Arbeit betrifft, um die beste Lösung zu finden.

Dies könnte folgende Punkte umfassen :

1)     Welchen Zweck soll das Stück erfüllen
Nutzen und Aussehen

2)     Größe und Besonderheiten des Aufstellungsortes
Zugänglichkeit und Stabilität

3)     Umgebende Oberflächen und Materialien
Optische - und Korrosionsprobleme können eine Frage der Umgebung sein

4)     Oberflächenbehandlung
Korrosionsschutz und optische Erscheinung

5)     Zeitplan
Wann kann begonnen werden, wann muß das Projekt abgeschloßen sein.

6)     Finanzrahmen
Das zur Verfügung stehende Budget ist eine wichtige Information für den Schmied.Ohne sie  kann es sein, daß er eine Menge Zeit auf einen Vorschlag verschwendet, der in keinerlei Beziehung zu den zur Verfügung stehenden Mitteln steht.

Ein Besuch der Örtlichkeit und eine Besprechung der Arbeit bevor über die o. g. Punkte entschieden wird ist wichtig und je früher dieses Gespräch stattfindet, desto wahrscheinlicher ist es nützlich.
Die meisten Schmiede haben sehr kleine Firmen und erwarten deshalb im Fortschritt der Arbeit Abschlagszahlungen zu erhalten.
Viele werden ihre Arbeit selbst anbringen wollen, während andere diese Arbeit vergeben. Über diesen Punkt sollte in jedem Fall eine feste Vereinbarung getroffen werden.

P. Parkinson July 1993 BABA

Ich danke dem britischen Kunstschmiedeverband BABA
(British Artist Blacksmith Association ) und ganz besonders Peter Parkinson für die freundliche Genehmigung zur Übersetzung und Veröffentlichung.

Michael Haase